Interview mit Chef-Koordinator Roland Schubert

EC 2010Wie läuft die Vorbereitung? Welche Erwartungen haben die Spieler an den Europacup? Was denken die Fans? In den kommenden Wochen und Monaten werden wir spannende Themen aufgreifen und mit interessanten Persönlichkeiten sprechen. 

Roland Schubert - immer im Einsatz für den Faustball und seinen VfKHallo Roland.
 
Hallo Bruce.

Gleich mal vorneweg: bist du der OK-Chef des VfK 1901 für den Europacup 2010 der Männer?

Bei solchen Aufgaben gibt es im VfK keine offizielle Wahl, aber so etwas wie der Koordinator bin ich wohl sicherlich. Das liegt auch daran, dass ich viele Menschen innerhalb und außerhalb des Vereins mit ihren jeweiligen Stärken und Interessen kenne. Und die werden dann dringend „gebeten“, zu helfen.

Auf den wohl größten Erfolg deiner Vereinstrainerlaufbahn, dem Deutschen Meistertitel 2009 bei den Männern, resultierte die Bewerbung um die Ausrichtung des Europacups 2010. Ein Segen oder Fluch?

Es ist doch großartig, wenn die Faustballwelt mal auf Berlin schaut! Wie lange galten wir als Faustball-Niemandsland, auf das die Hochburgen in Niedersachsen und Baden lächelnd herabblicken? Nein, es ist schon toll, wenn wir unseren Sport in höchster Qualität in Berlin zeigen können.

Vereinstrainer, Jugend-Bundestrainer, 2. Vereinsvorsitzender, dazwischen Jugendtraining im Verein und nun der Europacup. Wird das alles nicht irgendwann zuviel?

Ich hoffe, dass mich vorher jemand bremst! Und das nur aus dem einen Grund, dass ein Zuviel an Arbeit die Qualität vermindert. Viele Aufgaben benötigen zwar mein Engagement, aber viele Helfer stehen parat, die Aufgaben übernehmen. Trotzdem ist klar, dass wir weiter versuchen müssen, Aufgaben auf verschiedene Schultern zu verteilen. Ein gutes Beispiel ist die von mir betreute Meistermannschaft. Vom Faustballsachverstand her kann ich den Jungs nichts mehr beibringen, man wird dann immer mehr Moderator und Motivator und muss einfach sehen, wie lange dies Vorteile und Spaß für beide Seiten bringt.

Mit dem späten OK-Treffen im Dezember 2009 begannen die konkreten Vorbereitungen auf das Faustball-Event. Hast du schon eine Ahnung, was da so auf den VfK in den nächsten Wochen und Monaten zukommt.

Viel Arbeit! Und auf die vielen Helfer, die sich angeboten haben und teilweise schon tätig geworden sind, viele „Bitten“ von mir!

Fast erwartungsgemäß fiel die Resonanz des Berliner Senats in Hinblick auf finanzielle Unterstützung negativ aus. Umso erfreulicher die Reaktion des Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund (BTB). Welche Hilfe ist vom BTB konkret zu erwarten? Wird das ausreichen um eine solche Veranstaltung zu stemmen?

Mein Gespräch mit Jens-Uwe Kunze, dem Geschäftsführer des BTB, verlief sehr positiv. Der BTB ist durch seine Erfahrungen in der Organisation von Großveranstaltungen einfach ein sehr guter Berater und kann neben Know How auch Sachleistungen erbringen. Der BTB sieht aber seine Verantwortung für den Faustballsport auch finanziell und hat seine Unterstützung auch in diesem Bereich zugesagt.

Welche Wirkung glaubst du kann der Europacup in Berlin und Brandenburg erzielen? Wird es eine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geben?

Faustball wird von 35.000 aktiven Sportlern in Deutschland gespielt. Da müsste man meinen, dass nicht nur die örtliche Presse in Niedersachsen und Baden Kenntnis von dieser in der Leistungsspitze sehr athletischen und attraktiven Sportart nimmt. Aber die Siege unserer Mannschaft in der Bundesliga und selbst die Deutsche Meisterschaft war der örtlichen Presse nicht einmal eine Kurzmeldung wert. Das frustriert schon ein wenig. Nur wird uns nicht Meckern und Heulen aus dieser Lage herausbringen, sondern eher ein gut organisierter von vielen Zuschauern besuchter Europacup.

In diesem Zusammenhang erlaube mir die Frage nach deinen Vorstellungen im Hinblick auf die Zuschauerzahlen. Was ist realistisch?

Wir haben in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern eine Faustballgemeinde, die eigentlich kommt, wenn sie gerufen wird. Rufen werden wir laut, also kommen sie auch. Den aus Österreich und der Schweiz anreisenden Mannschaften haben wir für ihre Fans ein Paket entworfen, das daneben auch noch die Pfründe einer interessanten und attraktiven Hauptstadt Europas in die Waagschale wirft. Wenn sich auch hier noch Fans auf den Weg machen, dann sollten es schon 1000 Besucher sein, die wir an den zwei Tagen begrüßen können.

Rund 6 Wochen nach dem Europacup findet auf derselben Anlage das 3.Roth-Massivhaus Rasentennis-Turnier im Maikäferpfad statt. Hast du Angst der Untergrund könnte den Belastungen nicht standhalten? Gab es Gegenwehr aus der Tennisabteilung bei der Planung?

Keine Gegenwehr, super Unterstützung bekommen wir von der Tennisabteilung und dort vor allem vom 1. Vorsitzenden Wolfgang Thalheim. Wir werden mit allen Tricks und technischen Möglichkeiten dafür Sorge tragen, dass die Rasenfläche, auf denen die Tennisfelder stehen werden, von uns weder für die Spiele, noch für die Zuschauer genutzt wird. Der Center Court wird am hinteren Ende des Feldes aufgebaut werden, die Tribüne am Rand des Feldes. Da ist sichergestellt, dass auch im 3. Jahr Tennis auf dem Rasen möglich ist.

Abschließend zum sportlichen Bereich. Im Moment sieht es so aus als würden die besten Angreifer der ganzen Welt nach Berlin kommen. Mit Cyrill „Fausto“ Roland Schubert angespannt an der AußenlinieSchreiber steht sogar ein amtierender Südamerika-Meister (mit Novo Hamburgo) bei FB Schwellbrunn im Aufgebot. Weitere aktuelle Nationalspieler kommen mit reichlich Titeln und internationaler Erfahrung in die Hauptstadt. Wie motiviert man eine vergleichsweise unerfahrene Mannschaft wie den VfK 1901 angesichts der „übermächtigen“ Konkurrenz?

„Fausto“ ist übrigens mit seiner Mannschaft aus Schwellbrunn gerade Europacup-Sieger in der Halle geworden! Aber wir haben in einigen von uns besuchten Internationalen Turnieren auch schon einmal gegen ihn gewonnen. Und warum sollen unsere Jungs nicht noch einmal eine solche überragende Leistung zeigen wie das zur Deutschen Meisterschaft in Düdenbüttel der Fall war. In der Halle gab es einige Spiele, die die Berliner Zuschauer nicht vom Hocker gerissen haben, aber zum Juli wollen wir in der Form sein, um auch gegen die Europäische Spitze mithalten zu können.

Wird es für das Team eine spezielle Europacup-Vorbereitung geben?

Wir stehen ja mitten in der Saison, die Bundesligasaison im Feld beginnt im Mai und geht ohne längere Pause durch bis zum September. Wir werden die gegnerischen Mannschaften mit ihren besonderen Stärken und Schwächen noch einmal genau analysieren (wobei wir dies ohne eine Horde von Spähern und Schweizer Spezialisten mit mehreren Kameras machen müssen, da hat es Herr Löw mit seinen Fußballern besser. Aber die internationalen Erfahrungen unserer Nationalspieler werden uns schon weiterhelfen und die Trainingstage vor dem Europacup bestimmen.

Vielen Dank für das Interview.