Interview mit FBC-Angreifer Martin Weiß

EC  2010

"Mich treibt die Tatsache an, dass für mich

Faustball der geilste Sport der Welt ist"

Martin Weiß vom FCB ASKÖ Linz-Urfahr

Martin Weiß ist Hauptangreifer des Titelverteidigers Linz. Nach einer schweren Schulter-OP im letzten Jahr kämpft der Österreicher derzeit um seine Rückkehr in die Weltspitze. Seinem VfK-Interviewpartner Tobias Andres erklärte der Weltklasse-Schlagmann, warum er sein Leistungsniveau derzeit nur für landesligatauglich hält und er dennoch an eine Medaille beim Escriba Europacup der Männer glaubt.


Martin, am 3./4. Juli 2010 findet der Europacup in Berlin statt. Welche Erwartungen hast Du an dieses Event der internationalen Spitzenklasse und wie stark schätzt Du die Konkurrenz ein?

Ich erwarte mir vor allem eine toporganisierte Veranstaltung mit vielen Zuschauern. Wenn ich das Programm so betrachte sollte das auf alle Fälle geschafft werden. Die Konkurrenz ist heuer wahrscheinlich so stark wie schon lange nicht mehr. Spannende und hochklassige Spiele sind sicher garantiert.


Die Mannschaften aus Österreich und der Schweiz sind Dir bestens bekannt. Welche Rolle wird der gastgebende VfK 1901 Berlin beim Europacup spielen?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Heimteam am Faustballplatz wirklich erst sehr selten gesehen habe. Ich weiß aber auch, dass wir von Berlin bei dem einen oder anderen Turnier schon ordentlich eines auf die Mütze bekommen haben. Wenn sie die Nervosität der ersten EC Teilnahme ablegen können, traue ich ihnen schon einiges zu.


Als Titelverteidiger und 7-maliger Europacup-Sieger gehst Du mit Deiner Mannschaft aus Linz als Favorit ins Rennen. Als Spieler Du hast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Welchen Stellenwert hat für Dich persönlich der Europacup 2010 und an welche Europacup-Erfahrung erinnerst Du Dich besonders gerne zurück?

Der Stellenwert des EC 2010 ist für mich persönlich schon sehr hoch. Nach meiner Schulter OP einen Tag nach dem EC Sieg 2009 in Linz bin ich am Weg zurück und hoffe, dass der EC in Berlin mein erster großer Auftritt nach der schweren Verletzung auf der Faustballbühne sein wird. Und an diese Erfahrung, trotz schwerer Verletzung letztes Jahr den Titel zu gewinnen, wird ewig in Erinnerung bleiben. Aus dem Grund, weil ich derzeit noch immer nicht sagen kann, ob für mich Faustball auf dem Niveau jemals wieder gespielt werden kann.


Martin, Du bist bekannt als einer der athletischsten Angreifer überhaupt. Wie hast Du Deine sagenhafte Fitness und Athletik aufgebaut?

Ich hatte sicher das Glück, in jungen Jahren über ein Sportgymnasium ein umfangreiches Sportprogramm über 10-15 Stunden pro Woche genießen zu dürfen. Im Sportstudium ist dann noch das intensive Faustballtraining dazugekommen, wo wir mit unserem Trainer Manfred Leitner den absolut besten Mann dafür im Verein hatten. Der hat dann aus dieser Basis das aus mir geformt, was schlussendlich herausgekommen ist. Bedeutet hat das für mich jedenfalls fast tägliches teilweise alleiniges Training in Technik, Fitness und Athletik.


Deine enorme Schlaghärte und Sprungkraft sind weltweit gefürchtet. Woher nimmst Du diese Power, ist es das Training mit den Eisenhanteln und dem guten alten Medizinball, sind es differenzierte Koordinationsübungen oder am Ende doch einfach nur die Gene?

Ich trainiere schon seit 1999 nicht mehr mit Eisenhanteln für den Oberkörper. Ich nehme den Großteil meiner Schlagkraft aus der Kombination aus Laufgeschwindigkeit und Sprungkraft, denke also dass es Koordination ist. Schwerpunkt unserer Technikeinheiten sind sehr differenzierte Koordinationsübungen und die machen den Unterschied aus. Die Gene sind zwar ganz hilfreich, es war aber schon sehr harte Arbeit dabei.


Auch Du warst in den letzten Jahren – wie viele andere Angreifer – nicht von Verletzungen verschont geblieben. Wie ist Dein momentaner Gesundheitszustand, wie geht man mental mit Verletzungen um und welche speziellen Maßnahmen muss man ergreifen, um wieder in Form zu kommen?

Mein Gesundheitszustand derzeit ist leider nicht der, den ich mir 9 Monate nach meiner OP erhofft habe. Ich befinde mich seit knapp zwei Monaten im normalen Faustballtraining, bin aber von meiner Schlagleistung noch meilenweit weg. Die Schmerzen in der Ausholphase behindern mich noch an meiner gewohnten Bewegung. Durch regelmäßige Physiotherapie hoffe ich, in den nächsten Wochen deutliche Verbesserung zu erzielen. Seit November 2009 habe ich einen gezieltes Beweglichkeits- und Krafttraining, um die Strukturen rund um das Schultergelenk wieder auf die Schlagbelastung vorzubereiten. Mental zerrt es derzeit schon sehr, denn man versucht im Training ständig an seine Grenzen zu gehen, doch herauskommen tut derzeit ein mittelmäßiger Angriff, der Landesliganiveau hat.


Martin Weiß vom FCB ASKÖ Linz-UrfahrBis zum Europacup sind es noch gut 10 Wochen. Wie sieht Deine konkrete Vorbereitung auf dieses Spitzenevent aus? Vielleicht kannst Du uns einen Einblick in eine typische Trainingswoche gewähren?

Meine Vorbereitung liegt derzeit nur darin, meine Schulter auf Vordermann zu bringen und im Ausdauerbereich wieder die Basis für Spitzensport zu legen. Das neben meiner beruflichen Tätigkeit im Österreichischen Faustballbund zu schaffen, ist schwer genug. Im optimalen Verlauf sieht das so aus:

Montag zusätzliches Techniktraining 90 min oder 60 min Ausdauertraining + Krafttraining Schulter; Dienstag Techniktraining Verein (Schwerpunkt Schnelligkeitstraining) 120 min; Mittwoch 60 min Ausdauertraining + 45 min Physiotherapie Schulter; Donnerstag Techniktraining Verein (Schwerpunkt Kondition) 120 min; Freitag zusätzliches Techniktraining 90 min + Kraftübungen Schulter; Wochenende Meisterschaft oder Regenerationsmaßnahmen


Du bist junger Familienvater und beruflich voll eingespannt. Welche Priorität hat für Dich heute das Training und woher nimmst Du die Zeit?

Nachdem ich als Trainer des Österreichischen Faustballbundes angestellt bin, ist sehr viel Eigentraining gleichzeitig Dienstzeit. Ich kann also am Dienstort trainieren und mich fit halten. Wenn ich zuhause bin, hat schon die Familie Priorität und eine Spielestunde mit meinem 2jährigen Sohn Lukas wird einer Stunde Laufen vorgezogen.


Mit 32 Jahren zählst Du nicht mehr zu den jüngsten Angreifern. Was machst Du heute im Training anders als vor 10 Jahren?

Ich versuche, nichts anders zu machen sondern mehr zu machen. Mit dem Alter muss man leider mehr machen um das gleiche zu erreichen. Der Unterschied ist leider, dass mir jetzt nach einem anstrengenden harten Training am nächsten Tag alles weh tut.


Ernährung und Erholung sind die zwei wichtigen Bausteine neben dem Training? Wie gehst Du damit um?

Sagen wir so, ich sollte vor allem den Part Ernährung viel mehr beachten. Nach der Geburt meiner zwei Kinder und nach der Schulter OP ist leider das Körpergewicht rapide gestiegen und es wird jetzt an der Zeit, dieses Manko wieder auszubessern. Das geht nur mit gezielter Ernährung in Kombination mit sportlicher Bewegung.


Martin, Du gehörst zu den besten Faustballern Deiner Generation, in Österreich bist Du schon heute eine Legende, gegen den brasilianischen Starangreifer George Schuch hast Du die größten Schlachten der Faustballgeschichte geschlagen. Was treibt Dich heute an, woher ziehst Du Deine Motivation und wie lange dürfen sich die Zuschauer noch auf einen Martin Weiß im internationalen Spitzenfaustball freuen?

Erstmals danke für die Lorbeeren. Mich treibt die Tatsache an, dass für mich Faustball der geilste Sport der Welt ist und ich in unserem Sport ein großes Potential sehe. Und da lege ich all meine Arbeit hinein. Mich wird es auf internationaler Ebene sicher noch eine Zeit geben. Ob als aktiver Spieler oder im Trainer- bzw. Managementstab wird sich zeigen, ob meine Schulter wieder für den Spitzenfaustball geeignet ist.


Zum Schluss:


Faustball... ist für mich der geilste Sport der Welt

Berlin... ist eine tolle Stadt, die ich endlich einmal kennen lerne.

Am 4. Juli 2010... kann ich mich hoffentlich über eine Medaille freuen, weil ich beim EC in Berlin zum Einsatz gekommen bin.